Mittwoch, 26. Oktober 2005

Sex-Mystifizierung

Ein Kommentar von Mirtana hat mich wieder an meine frühere Einstellung zum Sex erinnert. Ich habe doch wirklich geglaubt, dass der Beischlaf, soll heißen, das Eindringen des Schwanzes in die Scheide für die Frau etwas Besonderes ist. Wahrscheinlich würden mir hier die meisten Frauen beipflichten, unter dem Motto: „Ich kann nur mit einem Mann schlafen, den ich liebe.“

Wenn sie allerdings wüssten, wie heilig, mystisch, wie unglaublich besonders ich mir das vorgestellt habe, dann würden sie aufschreien. Denn das würde bedeuten, dass es keinen normalen Sex gibt, sondern nur Sex unter Liebenden, die sich bis ans Ende der Welt versprochen sind. Wäre das nicht schrecklich? Wo bliebe da der Spaß?

Es war für mich also eine ziemlich harte Erfahrung damals, als ich feststellte, dass ich der Einzige war, der so dachte. Zumindest kam mir das so vor. Meine damalige Freundin, heute meine Frau, stellte mich einfach vor die Wahl mit den Worten: „Ich will meine anderen Freundschaften wegen Dir nicht aufgeben.“

Erst dachte ich, ich höre nicht richtig. Da der gemeine Mann durch Widerstände in seinem Jagdtrieb eher angestachelt wird und durch die Hormone seine Denkfähigkeit fast vollständig verliert, sagte ich großmütig: „Das macht mir nichts aus, mach nur.“ Klar, dass ich dachte, das bekomme ich schon in den Griff.

Und um es Ihr und wahrscheinlich auch mir zu beweisen, initiierte ich meinen ersten Dreier. Ein guter Freund von damals, viel Alkohol um die Bedenken und die Hemmungen zu verscheuchen, und schon lagen wir drei am Boden, B. in der Mitte. Ich erinnere mich, dass ich unserem Freund fast schon mit Gewalt die Hose herunterzog, weil der es nicht glauben wollte, was da ablief. Und er hatte Recht, ich konnte es auch nicht glauben, trotz meiner aktiven Rolle. Der Alkohol konnte die Wahrheit dann doch nicht ertränken, eben in vino veritas. Während die beiden neben mir ineinander verschlungen waren, konnte ich meine Tränen nicht mehr zurückhalten.

Jetzt stellt sich aus heutiger Sicht die Frage, warum ich geweint habe. Ich glaube, ich fühlte mich damals verlassen. Durch die Mystifizierung von Sex, konnte ich in diesem Moment nur eines empfinden – höllische Seelenqualen ob der Tatsache, dass sie mit jemandem anderen schlief, welches ja für mich gleichbedeutend mit einem, mit dem Liebesbeweis war. Wie konnte sie mich lieben, wenn sie mit einem anderen schlief.

Es sollte auch noch ein paar Jahre dauern, bis ich diesen und andere Steine aus dem Weg geräumt hatte. Ich kann also diejenigen sehr gut verstehen, die bezüglich meiner heutigen Ansichten sofort zumachen.

Aber das schöne am Leben ist ja, dass man ja dazu lernen kann. Falls es sich um so etwas wie „mehr Freunde am Leben“ handelt, muss man das aber nicht. Denn wirklich lebensbedrohlich ist eine andere Sichtweise hier nicht und: Jeder wie er will und kann.

Beschwingt

Ein paar Gedanken zum beschwingten Lieben

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